Pflege und Aufbereitung chirurgischer und zahnärztlicher Instrumente
Chirurgische und zahnärztliche Instrumente aus Edelstahl sind langlebig – vorausgesetzt, sie werden richtig behandelt. Die meisten Schäden wie Flecken, Rost oder schwergängige Gelenke entstehen nicht im Einsatz, sondern bei der Aufbereitung. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die Schritte der Instrumentenaufbereitung, die typischen Fehlerbilder und praktische Tipps für die Instrumentenpflege. Er ersetzt weder die Aufbereitungsanweisungen des Herstellers noch die für Ihre Einrichtung geltenden Vorgaben.
Das Wichtigste in Kürze
- Verschmutzungen direkt nach dem Gebrauch entfernen und Antrocknen vermeiden.
- Die maschinelle Reinigung und Desinfektion im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) ist besser standardisierbar als die manuelle.
- Nach der Reinigung jedes Instrument auf Sauberkeit, Schäden und Funktion prüfen.
- Gelenke, Sperren und Gewinde mit einem sterilisierbaren Instrumentenöl pflegen.
- Die Dampfsterilisation bei 134 °C ist für Edelstahlinstrumente das übliche Verfahren.
- Chloride, etwa aus Kochsalzlösung oder Blutresten, sind eine häufige Ursache für Lochfraß.
- Maßgeblich sind immer die Aufbereitungsanweisungen des Herstellers.
Grundlagen und Quellen
In Deutschland richtet sich die Aufbereitung von Medizinprodukten nach der gemeinsamen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Sie beschreibt unter anderem die Einstufung von Medizinprodukten nach Risiko und die Anforderungen an validierte Verfahren. Praxisnahe Hinweise zur Werterhaltung bietet die sogenannte „Rote Broschüre“ des Arbeitskreises Instrumenten-Aufbereitung (AKI). Dieser Ratgeber fasst allgemeine Grundsätze zusammen. Die Aufbereitungsanweisungen des jeweiligen Herstellers haben Vorrang; für die korrekte Aufbereitung in Ihrer Einrichtung ist der Betreiber verantwortlich.
Die Schritte der Instrumentenaufbereitung
1. Vorbereitung direkt nach dem Gebrauch
Grobe Verschmutzungen wie Blut, Gewebereste, Zement oder Füllungsmaterial sollten so früh wie möglich entfernt werden. Angetrocknete Rückstände lassen sich später nur schwer lösen und können Korrosion begünstigen. Halten Sie die Zeit bis zur Aufbereitung möglichst kurz. Legen Sie Instrumente nicht in physiologische Kochsalzlösung ab.
2. Reinigung und Desinfektion
Die maschinelle Aufbereitung im RDG gilt als Verfahren der Wahl, weil sie reproduzierbar ist und validiert werden kann. Wichtig ist eine sachgerechte Beladung: Scheren, Klemmen und Nadelhalter geöffnet einlegen, Instrumente nicht übereinanderstapeln und Spülschatten vermeiden. Siebe und Instrumentenkassetten helfen, die Instrumente geordnet und gut umspülbar zu lagern.
Bei der manuellen Aufbereitung werden die Instrumente vollständig in eine geeignete Reinigungs- und Desinfektionslösung eingelegt. Achten Sie auf Konzentration und Einwirkzeit laut Herstellerangabe des Mittels. Für die Reinigung weiche Kunststoffbürsten verwenden, keine Metallbürsten oder Scheuermittel. Ein Ultraschallbad kann die Reinigung von Gelenken und Riefen unterstützen. Anschließend gründlich spülen – für die Schlussspülung empfiehlt sich vollentsalztes Wasser, um Flecken zu vermeiden – und vollständig trocknen.
3. Sichtkontrolle und Funktionsprüfung
Nach der Reinigung wird jedes Instrument kontrolliert, bei feinen Arbeitsenden am besten mit einer Lupe:
- Sind alle Rückstände entfernt, auch in Riefen, Zähnen und Gelenken?
- Gibt es Risse, Verbiegungen, abgebrochene Spitzen oder Korrosion?
- Schließen Pinzetten und Klemmen exakt, greifen die Sperren sicher, schneiden Scheren sauber?
Beschädigte oder korrodierte Instrumente werden aussortiert, damit sie andere Instrumente nicht beeinträchtigen.
4. Pflege der Gelenke
Instrumente mit Gelenken, Sperren oder Gewinden werden nach der Reinigung gepflegt – am besten vor der abschließenden Funktionsprüfung. Geben Sie gezielt einen Tropfen sterilisierbares, dampfdurchlässiges Instrumentenöl auf Gelenk und Sperre und bewegen Sie das Instrument mehrmals. Überschüssiges Öl abwischen. Silikonhaltige Öle sind ungeeignet. Die Pflege verhindert Reibkorrosion und hält die Instrumente leichtgängig.
5. Verpackung
Für die Sterilisation werden die Instrumente in ein geeignetes Sterilbarrieresystem verpackt, zum Beispiel in Klarsichtsterilisationsverpackung, Sterilisationscontainer oder Kassetten mit Verpackung. Klemmen und Nadelhalter offen oder höchstens auf der ersten Raste verpacken, damit kein Dauerdruck auf dem Gelenk liegt. Spitze Arbeitsenden schützen.
6. Dampfsterilisation
Edelstahlinstrumente werden in der Regel im Dampfsterilisator mit fraktioniertem Vorvakuum bei 134 °C sterilisiert. Programm, Haltezeit und Beladung richten sich nach dem validierten Verfahren und den Vorgaben des Geräteherstellers. Nach dem Programm die Instrumente vollständig trocknen lassen, bevor sie gelagert werden.
Typische Fehlerbilder und ihre Ursachen
| Erscheinungsbild | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Weißliche oder graue Flecken | Kalk oder andere Mineralien aus dem Spülwasser | Schlussspülung mit vollentsalztem Wasser |
| Bunte Anlauffarben | Rückstände aus Reinigungsmitteln, Wasserqualität | Dosierung prüfen, gründlich nachspülen |
| Fremdrost (Flugrost) | Rost von beschädigten Instrumenten oder aus Leitungen, der sich überträgt | korrodierte Instrumente aussortieren, Ursache suchen |
| Lochfraß (kleine Löcher mit Rostrand) | Chloride, z. B. aus Kochsalzlösung, Blut oder Wasser | Antrocknen vermeiden, kein Kontakt mit Kochsalzlösung |
| Reibkorrosion am Gelenk | fehlende Pflege, Metallabrieb | Gelenke regelmäßig ölen |
| Risse am Gelenk (Spannungsrisskorrosion) | Sterilisation im geschlossenen Zustand, Dauerspannung | offen oder auf der ersten Raste aufbereiten |
Flecken sind meist kosmetisch und lassen sich oft entfernen. Korrosion dagegen schädigt das Material dauerhaft und kann sich auf andere Instrumente übertragen.
Praktische Tipps für die Instrumentenpflege
- Neue Instrumente vor dem ersten Gebrauch vollständig aufbereiten.
- Instrumente aus unterschiedlichen Materialien nach Herstellerangabe getrennt behandeln.
- Scheren, Klemmen und Nadelhalter immer geöffnet reinigen.
- Feine Spitzen von Pinzetten und Scheren nicht auf harte Flächen fallen lassen.
- Instrumente mit Hartmetall-Einsätzen regelmäßig auf Ausbrüche an den Einsätzen prüfen.
- Für eine geordnete Lagerung eignen sich Instrumentensiebe und Maschenkassetten aus unserer Kategorie Dentalsets & Aufbewahrung.
Wie sich chirurgische und anatomische Pinzetten unterscheiden, lesen Sie im Ratgeber Chirurgische Pinzetten. Hinweise zu Parodontalinstrumenten finden Sie im Beitrag Gracey Küretten.
Häufige Fragen
Warum rosten Edelstahlinstrumente?
Edelstahl ist korrosionsbeständig, aber nicht unempfindlich. Häufige Ursachen sind Chloride, Fremdrost von anderen Instrumenten und fehlende Pflege der Gelenke.
Bei welcher Temperatur werden Instrumente sterilisiert?
Für Edelstahlinstrumente ist die Dampfsterilisation bei 134 °C üblich. Maßgeblich sind das validierte Verfahren und die Angaben des Herstellers.
Welches Öl eignet sich für chirurgische Instrumente?
Ein sterilisierbares, dampfdurchlässiges Instrumentenöl, in der Regel auf Paraffinbasis. Silikonöle sind nicht geeignet.
Kann man Flecken auf Instrumenten entfernen?
Kalkflecken und Anlauffarben lassen sich oft mit geeigneten Grundreinigern entfernen. Rost und Lochfraß sind dagegen ein Grund, das Instrument zu prüfen und gegebenenfalls auszusortieren.
Wo finde ich verbindliche Vorgaben zur Aufbereitung?
In der KRINKO-/BfArM-Empfehlung zur Aufbereitung von Medizinprodukten, in der Roten Broschüre des AKI und in den Aufbereitungsanweisungen des Herstellers.