Chirurgische Scheren im Überblick: Metzenbaum, Mayo, Iris & Co.
Chirurgische Scheren sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, sind aber für sehr unterschiedliche Aufgaben gebaut. Eine Präparierschere trennt Gewebeschichten, eine Fadenschere kürzt Nahtmaterial, eine Verbandschere schneidet Binden auf. Wer die falsche OP-Schere verwendet, beschädigt entweder das Gewebe oder die Schneiden. Dieser Ratgeber zeigt, worin sich Metzenbaum-, Mayo-, Iris- und andere Scheren unterscheiden und welche Schere für welchen Einsatz passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Präparierscheren wie die Metzenbaum Schere haben lange Branchen und kurze, feine Blätter. Sie trennen und spreizen Gewebe.
- Mayo-Scheren sind kräftiger und für derbes Gewebe wie Faszien gedacht; die gerade Mayo-Schere wird oft als Fadenschere verwendet.
- Irisscheren sind klein, spitz und sehr fein – für präzise Schnitte auf engem Raum, auch in der Oralchirurgie.
- Verbandscheren haben ein abgerundetes Knopfende am unteren Blatt, damit beim Aufschneiden von Verbänden die Haut geschützt bleibt.
- Zahnfleischscheren (z. B. Goldman-Fox, La Grange) haben schlanke, oft gebogene Blätter für die Arbeit am Gingivarand.
- Super Cut und Hartmetall (TC) stehen für besonders scharfe bzw. besonders verschleißfeste Schneiden.
Präparierschere, Fadenschere, Verbandschere: drei Grundtypen
Präparierscheren dienen dazu, Gewebe zu durchtrennen und Gewebeschichten stumpf voneinander zu lösen. Dabei wird die geschlossene Schere zwischen die Schichten geschoben und anschließend geöffnet. Die Blätter sind deshalb fein und meist stumpf auslaufend, damit sie nicht ungewollt Gefäße verletzen.
Fadenscheren kürzen Nahtmaterial nach dem Knoten. Hier zählt eine robuste, gleichmäßig schneidende Klinge. Feine Präparierscheren sollten nicht für Fäden verwendet werden, weil Nahtmaterial die empfindlichen Schneiden stumpf macht.
Verbandscheren schneiden Binden, Pflaster und Verbandstoffe. Typisch ist das abgerundete Knopfende am unteren Blatt, das unter den Verband geschoben wird und dabei die Haut schützt. Bekannte Formen sind Lister, Esmarch und Bruns. Eine Auswahl finden Sie unter Verbandscheren.
Die wichtigsten chirurgischen Scheren
Metzenbaum Schere
Die Metzenbaum Schere ist die klassische Präparierschere. Das Verhältnis von langen Branchen zu kurzen Blättern erlaubt feines, kontrolliertes Arbeiten auch in der Tiefe. Sie wird gerade und gebogen angeboten, überwiegend mit stumpfen Spitzen. Die gebogene Form verbessert die Sicht auf die Schnittlinie. In unserem Sortiment finden Sie die Metzenbaum Operationsschere und die schlankere Nelson-Metzenbaum Sezierschere.
Mayo-Schere
Die Mayo-Schere ist kürzer im Verhältnis zur Blattlänge und deutlich kräftiger gebaut. Die gebogene Form wird für derbes Gewebe wie Faszien, Sehnen oder Muskelgewebe eingesetzt, die gerade Form häufig als Fadenschere. Für feine Präparation ist sie zu grob.
Irisschere
Die Irisschere stammt ursprünglich aus der Augenheilkunde. Sie ist kurz, hat sehr feine, spitze Blätter und eignet sich für präzise Schnitte an kleinen Strukturen – etwa in der Oralchirurgie, Dermatologie oder plastischen Chirurgie. Sie ist gerade und gebogen erhältlich, zum Beispiel als Irisschere gebogen.
Potts- und Castroviejo-Schere
Potts-Scheren haben abgewinkelte Blätter, meist in Winkeln wie 25°, 45° oder 60°. Sie werden vor allem in der Gefäßchirurgie eingesetzt, um Gefäße längs zu eröffnen. Castroviejo-Scheren arbeiten mit Federgriff statt Ringen und sind für mikrochirurgische Schnitte gedacht.
Spitz oder stumpf, gerade oder gebogen?
Bei den Spitzen unterscheidet man drei Kombinationen:
- spitz/spitz: für feine, gezielte Schnitte und das Durchstechen kleiner Strukturen,
- spitz/stumpf: ein Kompromiss, z. B. für Fäden und oberflächliches Gewebe,
- stumpf/stumpf: für die Präparation in der Tiefe, wenn Gefäße und Nerven geschont werden sollen.
Gerade Scheren schneiden entlang einer Linie und eignen sich für oberflächliche Schnitte und Fäden. Gebogene Scheren folgen Rundungen besser und geben den Blick auf die Schnittstelle frei – deshalb werden Präparierscheren meist gebogen verwendet.
Super Cut und Hartmetall: was steckt dahinter?
Super Cut bezeichnet eine Kombination aus einem rasiermesserscharf geschliffenen Blatt und einem Gegenblatt mit Mikroverzahnung. Das Gewebe wird dadurch sauber geschnitten statt gequetscht und rutscht beim Schließen nicht aus den Blättern. Super-Cut-Scheren sind häufig an schwarzen Griffen oder einer schwarzen Beschichtung zu erkennen.
Hartmetall (TC) bedeutet, dass auf die Schneiden Einsätze aus Wolframcarbid aufgebracht sind. Sie sind härter als Edelstahl und bleiben länger scharf. TC-Scheren erkennt man meist an vergoldeten Ringgriffen. Beide Ausführungen sind in der Anschaffung teurer, lohnen sich aber bei häufigem Einsatz.
Zahnfleischscheren: Goldman-Fox, La Grange & Co.
In der Zahnmedizin werden für die Arbeit am Zahnfleisch besonders schlanke Scheren eingesetzt. Die Goldman-Fox Schere ist gerade oder gebogen und wird für das Trimmen von Gingiva und Lappenrändern verwendet. Die La Grange Schere ist doppelt gebogen und erreicht damit auch Bereiche um den Zahn herum. Hinzu kommen Modelle nach Locklin, Kelly, Dean und Joseph. Beispiele sind die Goldman-Fox Schere Standard 13 cm und die La Grange Schere Super Cut. Die vollständige Auswahl finden Sie unter Zahnfleischscheren.
Vergleichstabelle: Welche Schere für welchen Zweck?
| Schere | Typ | Merkmale | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Metzenbaum | Präparierschere | lange Branchen, kurze feine Blätter, meist stumpf | Präparation von weichem Gewebe |
| Mayo | Präparier-/Fadenschere | kräftig, gerade oder gebogen | Faszien, derbes Gewebe, Fäden |
| Iris | Feinschere | kurz, spitz/spitz | feine Schnitte, Oralchirurgie |
| Potts | Gefäßschere | abgewinkelte Blätter | Eröffnen von Gefäßen |
| Castroviejo | Mikroschere | Federgriff | Mikrochirurgie |
| Goldman-Fox / La Grange | Zahnfleischschere | schlank, gebogen bzw. doppelt gebogen | Gingiva, Parodontalchirurgie |
| Lister / Esmarch | Verbandschere | Knopfende, oft abgewinkelt | Verbände und Binden |
Pflege von Scheren
Scheren werden zur Reinigung geöffnet, damit Bürste und Reinigungslösung auch den Bereich am Gelenk erreichen. Nach der Reinigung sollten die Gelenke mit einem sterilisierbaren Instrumentenöl gepflegt werden. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Schere über die ganze Schneidenlänge sauber schneidet. Mehr dazu im Ratgeber Pflege und Aufbereitung von Instrumenten.
Häufige Fragen
Was ist eine OP-Schere?
Der Begriff fasst alle Scheren zusammen, die im Operationsbereich verwendet werden – vor allem Präparier-, Faden- und Gefäßscheren.
Was ist der Unterschied zwischen Metzenbaum und Mayo Schere?
Die Metzenbaum Schere ist feiner und hat im Verhältnis kürzere Blätter; sie dient der Präparation von weichem Gewebe. Die Mayo-Schere ist kräftiger und für derbes Gewebe und Fäden gedacht.
Darf man mit einer Präparierschere Fäden schneiden?
Davon ist abzuraten. Nahtmaterial macht die feinen Schneiden schneller stumpf. Verwenden Sie dafür eine Fadenschere.
Woran erkennt man eine Hartmetall-Schere?
Meist an vergoldeten Ringgriffen. Die Schneiden tragen Einsätze aus Wolframcarbid.
Welche Schere braucht man für die Parodontalchirurgie?
Üblich sind Zahnfleischscheren wie Goldman-Fox oder La Grange, für feine Schnitte zusätzlich eine Irisschere. Für die Schnittführung mit dem Skalpell lesen Sie unseren Ratgeber Skalpell Größen: Klingen und Griffe.
Unsere Präparier- und Spezialscheren finden Sie unter Chirurgische Scheren. Alle Instrumente sind CE-gekennzeichnet.