Instrumentenkassetten und Siebe: Richtig bestücken und aufbereiten

In vielen Praxen liegen Handinstrumente nach der Behandlung lose in einer Schale, werden einzeln gereinigt und anschließend wieder zu Sets zusammengesucht. Das kostet Zeit, birgt Verletzungsgefahr und führt dazu, dass Instrumente fehlen oder beschädigt werden. Instrumentenkassetten und Siebe schaffen hier Ordnung: Jedes Instrument hat einen festen Platz, vom Rüsten über die Behandlung bis zur Aufbereitung. Dieser Ratgeber erklärt die Vorteile, den Unterschied zwischen Kassette, Sieb und Tray, typische Bestückungen und die wichtigsten Regeln für das Beladen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kassetten und Siebe sorgen für vollständige Sets, schützen empfindliche Arbeitsenden und machen die Aufbereitung gleichförmiger.
  • Instrumente müssen nach der Behandlung seltener einzeln angefasst werden. Das verringert das Risiko von Stichverletzungen.
  • Kassetten fixieren die Instrumente und können geschlossen aufbereitet werden. Siebe nehmen Instrumente lose oder in Halterungen auf. Trays dienen vor allem der geordneten Ablage.
  • Beim Beladen gilt: Gelenkinstrumente geöffnet, nicht überladen, schwere Instrumente unten, Instrumente dürfen sich nicht gegenseitig abdecken.
  • Maßgeblich sind immer die Angaben der Hersteller von Instrumenten, Kassetten und Geräten sowie die validierten Beladungsmuster der Praxis.

Warum Kassetten und Siebe?

Vollständigkeit

Wenn jedes Instrument einen festen Platz hat, ist eine Lücke sofort sichtbar. Die Vollständigkeitskontrolle wird zur Sichtprüfung. Für die Behandlung steht das komplette Set bereit, ohne dass einzelne Teile gesucht werden müssen.

Schutz der Arbeitsenden

Lose Instrumente stoßen in der Schale, im Ultraschallbad und im Gerät aneinander. Feine Spitzen von Sonden, Scalern und Küretten werden dabei stumpf oder verbiegen sich. In einer Kassette liegen die Instrumente getrennt voneinander und berühren sich nicht.

Arbeitssicherheit und Prozesssicherheit

Ein erheblicher Teil der Stichverletzungen in der Praxis entsteht beim Reinigen von Instrumenten. Wird die geschlossene Kassette nach der Behandlung direkt in den Aufbereitungsprozess gegeben, müssen kontaminierte Instrumente seltener einzeln angefasst werden. Gleichzeitig wird die Beladung standardisiert: Jedes Set wird auf dieselbe Weise eingelegt. Das erleichtert die Einhaltung validierter Beladungsmuster.

Kassette, Sieb oder Tray?

Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Als Orientierung:

Merkmal Instrumentenkassette Instrumentensieb / Siebschale Tray / Tablett
Aufbau Durchbrochene Box mit Deckel und Halterungen Perforierte Schale, teils mit Halterungen Flache Ablage, offen oder mit Mulden
Fixierung der Instrumente Ja, jedes Instrument in eigener Halterung Teilweise, je nach Ausführung Meist nicht
Aufbereitung Geschlossen im RDG, Ultraschall und Sterilisator (je nach Herstellerangabe) Im RDG und Sterilisator; Instrumente dürfen sich nicht überdecken Vor allem Ablage; Eignung für die Aufbereitung je nach Material
Schutz der Spitzen Hoch Mittel Gering
Typischer Einsatz Behandlungssets für den Behandlungsplatz Chirurgische Sets, größere Instrumente Ablage am Behandlungsplatz, Lagerung

Im Shop finden Sie Kassetten in verschiedenen Größen, etwa die Kassette für 5 Instrumente, die Kassette für 10 Instrumente und die Kassette für 20 Instrumente, außerdem Maschenkassetten für 10 Instrumente. Für die Ablage gibt es das Instrumentensieb für bis zu 7 Instrumente, das Tray für 5 Instrumente und Scalertabletts.

Typische Sets

Bewährt hat sich eine Kassette pro Behandlungsart. Welche Instrumente hineingehören, legt jede Praxis selbst fest. Beispiele:

Farbige Markierungen an Kassetten und Instrumenten helfen, Sets schnell zuzuordnen und neue Mitarbeitende einzuarbeiten.

Richtig bestücken: die wichtigsten Regeln

  • Gelenkinstrumente geöffnet einlegen. Scheren, Klemmen und Nadelhalter werden geöffnet bzw. höchstens in der ersten Rastung eingelegt. So erreichen Reinigungslösung und Dampf auch das Gelenk, und das Schloss steht nicht unter Dauerspannung.
  • Nicht überladen. Jedes Instrument gehört in seine Halterung. Zusätzliche Instrumente, die quer darüber liegen, erzeugen Spülschatten und behindern Trocknung und Dampfdurchdringung.
  • Instrumente nicht übereinander. In Siebschalen sollten sich Instrumente möglichst wenig überdecken.
  • Schwere Instrumente nach unten. Schwere Teile werden unten bzw. in unteren Ebenen platziert, damit sie feine Instrumente nicht beschädigen.
  • Kleinteile sichern. Leichte Teile, die im Wasserstrahl verrutschen können, werden in passenden Halterungen oder Einsätzen fixiert.
  • Hohlkörper mit der Öffnung nach unten. Schalen und Becher werden so eingelegt, dass Wasser ablaufen kann.
  • Spitzen schützen. Für empfindliche Spitzen nur dampfdurchlässige Schutzkappen verwenden, die für die Sterilisation geeignet sind.

Häufige Fehler beim Bestücken

  • Kassette als Sammelbehälter: Einwegartikel, Tupfer oder Füllungsreste gehören nicht in die Kassette. Sie werden direkt am Behandlungsplatz entsorgt.
  • Grobe Verschmutzungen antrocknen lassen: Zement und Füllungsmaterial lassen sich frisch leichter entfernen. Die Zeit bis zur Aufbereitung sollte kurz sein.
  • Beschädigte Instrumente weiterverwenden: Verbogene Spitzen oder Korrosion fallen in der Kassette schnell auf. Solche Instrumente werden aussortiert, damit sie andere nicht beeinträchtigen.

Aufbereitung im RDG und Sterilisation

Kassetten mit durchbrochenen Wänden sind dafür ausgelegt, dass Reinigungslösung und Dampf alle Instrumente erreichen. Viele Systeme können geschlossen im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG), im Ultraschallbad und im Dampfsterilisator aufbereitet werden. Ob und wie das für ein bestimmtes Produkt gilt, legt dessen Hersteller fest. Für die Sterilisation werden Kassetten je nach Risikoeinstufung der Instrumente verpackt, zum Beispiel in Sterilisationsvlies, Folienbeutel oder Container. Instrumente für kritische Eingriffe werden verpackt sterilisiert.

Entscheidend ist, dass die Beladung dem validierten Beladungsmuster entspricht. Wer neue Kassetten einführt oder die Bestückung ändert, sollte prüfen, ob das Verfahren dafür validiert ist. Grundsätze zur Aufbereitung beschreiben in Deutschland die KRINKO/BfArM-Empfehlung und die Broschüren des Arbeitskreises Instrumentenaufbereitung (AKI). Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Pflege und Aufbereitung von Instrumenten. Hinweise zu Instrumenten mit Hartmetalleinsätzen finden Sie im Ratgeber Hartmetall-Instrumente (TC).

Alle Kassetten, Siebe und Sets finden Sie in der Kategorie Dentalsets & Aufbewahrung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Instrumentenkassette und Instrumentensieb?

Eine Kassette hat einen Deckel und fixiert jedes Instrument in einer eigenen Halterung. Ein Sieb ist eine perforierte Schale, in der Instrumente meist frei oder nur teilweise fixiert liegen.

Können Instrumente in der Kassette im Thermodesinfektor aufbereitet werden?

Bei vielen Kassettensystemen ja, sofern die Kassette dafür ausgelegt ist und die Beladung validiert ist. Maßgeblich sind die Angaben des Kassetten- und des Geräteherstellers.

Warum müssen Gelenkinstrumente geöffnet eingelegt werden?

Nur geöffnet erreichen Reinigungslösung und Dampf alle Flächen im Gelenk. Außerdem steht das Schloss dann nicht unter Spannung, was Spannungsrisse verhindert.

Wie viele Instrumente passen in eine Kassette?

So viele, wie die Kassette Halterungen hat. Zusätzliche Instrumente sollten nicht hineingelegt werden, da sie Spülschatten erzeugen und die Spitzen gefährden.

Müssen Kassetten für die Sterilisation verpackt werden?

Das hängt von der Risikoeinstufung der Instrumente ab. Instrumente für kritische Anwendungen werden verpackt sterilisiert. Die Vorgaben Ihres Hygieneplans und der Hersteller sind maßgeblich.


You may also like

Alle anzeigen
Example blog post
Example blog post
Example blog post