Parodontalsonden im Vergleich: PCP 12, UNC 15, WHO-Sonde, Nabers

Die Parodontalsonde ist das wichtigste Diagnoseinstrument in der Parodontologie. Mit ihr werden Sondierungstiefen gemessen, Blutungen ausgelöst und Furkationen ertastet. Die Sonden unterscheiden sich vor allem in ihrer Skala und in der Form der Spitze. Wer die Markierungen nicht kennt, liest Messwerte leicht falsch ab. Dieser Ratgeber vergleicht die gängigen Parodontalsonden PCP 12, UNC 15, WHO-Sonde, Williams und Nabers, erklärt die empfohlene Sondierungskraft und gibt einen kurzen Überblick über PSI und PBI.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die PCP 12 hat farbige Markierungen bei 3, 6, 9 und 12 mm.
  • Die UNC 15 ist durchgehend in Millimeterschritten bis 15 mm markiert, mit dunklen Bändern bei 5, 10 und 15 mm.
  • Die WHO-Sonde hat eine Kugel von 0,5 mm Durchmesser und ein farbiges Band zwischen 3,5 und 5,5 mm. Sie wird für den PSI verwendet.
  • Die Williams-Sonde ist bei 1, 2, 3, 5, 7, 8, 9 und 10 mm markiert; 4 und 6 mm fehlen.
  • Die Nabers-Sonde ist gebogen und dient zur Untersuchung von Furkationen.
  • Sondiert wird mit leichter Kraft von etwa 0,2 bis 0,25 N (rund 20 bis 25 g).

Wozu dient eine Parodontalsonde?

Die Parodontalsonde misst den Abstand vom Gingivarand bis zum Taschenboden, die sogenannte Sondierungstiefe. Gemessen wird an mehreren Stellen je Zahn, in der Regel an sechs Messpunkten: mesial, zentral und distal jeweils bukkal und oral. Zusätzlich zeigt die Sonde, ob es beim Sondieren blutet, und ertastet Konkremente, überstehende Füllungsränder und Furkationen.

Parodontalsonden sind stumpf und haben eine Skala. Damit unterscheiden sie sich von den spitzen Explorern, mit denen Kariesläsionen und Füllungsränder ertastet werden. Viele Hersteller kombinieren beides in doppelendigen Instrumenten, etwa als Kombiinstrument mit Sonde UNC 15.

Die wichtigsten Sondentypen

PCP 12

Die PCP 12 trägt farbige Markierungsbänder bei 3, 6, 9 und 12 mm. Die breiten Bänder sind im Sulkus gut ablesbar; Zwischenwerte werden geschätzt. Die Sonde ist in Europa weit verbreitet. Im Shop finden Sie die Parodontalsonde PCP 12 ohne Kugel.

UNC 15

Die UNC 15 (University of North Carolina) ist in jedem Millimeter von 1 bis 15 mm markiert. Dunklere Bänder bei 5, 10 und 15 mm erleichtern das Zählen. Die feine Teilung eignet sich für eine genaue Befundaufnahme und für tiefe Taschen. Ein Beispiel ist die Parodontalsonde UNC 15 mit Teilung 1–15.

WHO-Sonde

Die WHO-Sonde wurde für epidemiologische Erhebungen (CPITN) entwickelt und wird heute für den Parodontalen Screening-Index (PSI) verwendet. Ihr Kennzeichen ist eine Kugel mit 0,5 mm Durchmesser an der Spitze. Sie ermöglicht ein schonendes Sondieren und das Ertasten von Konkrementen und Restaurationsrändern. Ein farbiges, meist schwarzes Band markiert den Bereich zwischen 3,5 und 5,5 mm. Häufig sind weitere Markierungen bei 8,5 und 11,5 mm vorhanden. Mit dieser Teilung von 3,5 – 5,5 – 8,5 – 11,5 mm ist zum Beispiel die Sonde PCP-11.5-B markiert.

Williams-Sonde

Die Williams-Sonde ist eine klassische Sonde mit Markierungen bei 1, 2, 3, 5, 7, 8, 9 und 10 mm. Die Markierungen bei 4 und 6 mm fehlen bewusst. So lässt sich die Position auf der Skala leichter erkennen, Werte bei 4 und 6 mm müssen jedoch zwischen den Markierungen abgelesen werden.

Nabers-Sonde

Die Nabers-Sonde ist gebogen und hat ein stumpfes Ende. Mit ihr wird ertastet, ob und wie weit eine Furkation, also der Bereich zwischen den Wurzeln mehrwurzeliger Zähne, horizontal eröffnet ist. Viele Ausführungen sind farbcodiert bei 3, 6, 9 und 12 mm markiert. Im Shop gehört dazu das doppelendige Instrument PQ2N Nabers.

Vergleichstabelle: Parodontalsonden

Sonde Markierungen Spitze Typischer Einsatz
PCP 12 3 – 6 – 9 – 12 mm (Farbbänder) Abgerundet Sondierungstiefen, schnelles Ablesen
UNC 15 1 bis 15 mm, jeder Millimeter; Bänder bei 5, 10, 15 mm Abgerundet Genauer Parodontalstatus, tiefe Taschen
WHO-Sonde Band 3,5 – 5,5 mm, oft weitere Marken bei 8,5 und 11,5 mm Kugel 0,5 mm PSI / CPITN, Screening
Williams 1 – 2 – 3 – 5 – 7 – 8 – 9 – 10 mm Abgerundet Sondierungstiefen
Nabers Häufig 3 – 6 – 9 – 12 mm oder ohne Skala Gebogen, stumpf Furkationsdiagnostik

Die Angaben beschreiben die verbreiteten Standardausführungen. Einzelne Hersteller bieten abweichende Markierungen an. Prüfen Sie deshalb immer die Skala in der Produktbeschreibung.

Richtig sondieren: Kraft und Technik

Die Sondierungskraft beeinflusst das Messergebnis direkt. Mit mehr Druck dringt die Sonde tiefer ein und der Wert fällt höher aus; mit zu wenig Druck wird die Tasche unterschätzt. Empfohlen wird eine leichte Kraft von etwa 0,2 bis 0,25 N, das entspricht rund 20 bis 25 Gramm. Für Implantate werden häufig Kunststoffsonden und eine Kraft von höchstens 0,25 N empfohlen.

  • Führen Sie die Sonde parallel zur Zahnachse und in kleinen Schritten um den Zahn („Walking“).
  • Messen Sie an sechs Stellen je Zahn und notieren Sie den jeweils tiefsten Wert.
  • Verwenden Sie in einer Praxis möglichst denselben Sondentyp. Unterschiedliche Durchmesser und Skalen erschweren den Vergleich von Befunden.

Auch Zahnstein, starke Entzündung, Restaurationsränder und eine eingeschränkte Mundöffnung können die Messung beeinflussen.

Grundlagen: PSI und PBI

Parodontaler Screening-Index (PSI)

Für den PSI wird das Gebiss in Sextanten eingeteilt. Jeder Zahn wird mit der WHO-Sonde sondiert, und für jeden Sextanten wird der höchste Code notiert:

  • Code 0: Band vollständig sichtbar, keine Blutung, kein Zahnstein, keine defekten Restaurationsränder.
  • Code 1: Band vollständig sichtbar, Blutung beim Sondieren.
  • Code 2: Band vollständig sichtbar, Zahnstein oder defekte Restaurationsränder.
  • Code 3: Band teilweise sichtbar, Sondierungstiefe 3,5 bis 5,5 mm.
  • Code 4: Band nicht mehr sichtbar, Sondierungstiefe über 5,5 mm.

Ein zusätzliches Sternchen kennzeichnet Auffälligkeiten wie Furkationsbefall, erhöhte Zahnlockerung oder Rezessionen.

Papillenblutungsindex (PBI)

Beim PBI wird mit einer stumpfen Parodontalsonde und geringem Druck im Interdentalbereich sondiert. Bewertet wird die Blutung an der Papille in Graden von 0 (keine Blutung) bis 4 (starke Blutung, Blut fließt über Zahn oder Gingiva). Der Index dient vor allem dazu, den Entzündungsgrad zu dokumentieren und die Mitarbeit des Patienten zu verfolgen.

Weitere Sonden finden Sie in der Kategorie Sonden und Dilatatoren, das gesamte Sortiment in der Kategorie Parodontologie. Welche Küretten nach der Befundaufnahme zum Einsatz kommen, lesen Sie im Ratgeber Gracey-Küretten und im Ratgeber Scaler oder Kürette?.

Häufige Fragen

Welche Parodontalsonde ist die beste?

Das hängt vom Zweck ab. Für den PSI wird die WHO-Sonde verwendet. Für einen genauen Parodontalstatus bevorzugen viele Praxen die UNC 15 mit Millimeterteilung, andere die PCP 12 mit gut ablesbaren Farbbändern.

Was bedeutet PCP 12?

PCP 12 bezeichnet eine Parodontalsonde mit Markierungen bei 3, 6, 9 und 12 mm. Die Abstände von 3 mm werden durch farbige Bänder angezeigt.

Warum hat die WHO-Sonde eine Kugel?

Die Kugel mit 0,5 mm Durchmesser macht das Sondieren schonender und erleichtert das Ertasten von Konkrementen und Restaurationsrändern.

Mit welcher Kraft wird sondiert?

Mit leichter Kraft von etwa 0,2 bis 0,25 N, also rund 20 bis 25 Gramm. Zu viel Druck führt zu höheren Messwerten.

Wofür braucht man eine Nabers-Sonde?

Zur Untersuchung von Furkationen an mehrwurzeligen Zähnen. Die gebogene Form erreicht den Bereich zwischen den Wurzeln, den eine gerade Sonde nicht erfasst.


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