Scaler oder Kürette? Unterschiede und Einsatz in der Parodontologie
Scaler und Küretten sehen auf den ersten Blick ähnlich aus: ein Griff, ein abgewinkelter Schaft und ein schmales Arbeitsende mit Schneiden. Im Detail unterscheiden sie sich jedoch deutlich, und genau diese Unterschiede entscheiden, wo ein Instrument eingesetzt werden kann. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied zwischen Scaler und Kürette, stellt Sichelscaler, Universalkürette und Gracey-Kürette gegenüber, geht auf die Universalküretten nach Columbia und Langer ein und fasst die Grundlagen des Nachschärfens zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Sichelscaler hat einen dreieckigen Querschnitt, eine spitze Spitze und zwei Schneiden. Er ist für supragingivalen Zahnstein gedacht.
- Eine Kürette hat einen halbrunden Querschnitt mit abgerundetem Rücken und abgerundeter Spitze. Damit kann sie auch subgingival in der Tasche arbeiten.
- Bei Universalküretten steht die Arbeitsfläche im rechten Winkel zum unteren Schaft, beide Schneiden sind aktiv. Ein Instrument erreicht viele Zahnflächen.
- Gracey-Küretten sind gebietsspezifisch: Die Arbeitsfläche ist gegenüber dem unteren Schaft geneigt, und nur eine Schneide wird verwendet.
- Langer-Küretten kombinieren eine Universalklinge mit den Schaftformen der Gracey-Küretten.
- Stumpfe Instrumente arbeiten schlechter und ermüden die Hand. Beim Schärfen muss die ursprüngliche Form des Arbeitsendes erhalten bleiben.
Scaler und Kürette: der grundlegende Unterschied
Der Unterschied liegt in der Form des Arbeitsendes. Beim Sichelscaler laufen zwei Schneiden zu einer Spitze zusammen, und der Rücken ist ebenfalls spitz. Im Querschnitt ergibt das ein Dreieck. Diese Form ist stabil und eignet sich gut, um kräftige Auflagerungen an der Krone und knapp unterhalb des Gingivarandes zu lösen, etwa in den Approximalräumen der Frontzähne.
Bei der Kürette sind Rücken und Spitze abgerundet. Der Querschnitt ist halbrund. Die runde Form schont das Weichgewebe, wenn das Instrument in die Zahnfleischtasche eingeführt wird. Küretten werden deshalb sowohl supragingival als auch subgingival eingesetzt, unter anderem zur Entfernung von Konkrementen von der Wurzeloberfläche.
Daraus ergibt sich die wichtigste Regel: Sichelscaler gehören nicht in die Tasche. Ihre spitze Spitze und der scharfe Rücken können das Saumepithel verletzen und die Wurzeloberfläche beschädigen.
Universalkürette oder Gracey-Kürette?
Innerhalb der Küretten gibt es zwei Bauprinzipien.
Universalküretten
Bei der Universalkürette steht die Arbeitsfläche im Winkel von 90 Grad zum unteren (terminalen) Schaft. Beide seitlichen Schneiden sind geschliffen und können verwendet werden. Mit einem doppelendigen Instrument lassen sich so viele Flächen im Front- und Seitenzahnbereich bearbeiten. Den richtigen Arbeitswinkel zur Zahnoberfläche stellt der Behandler durch Kippen des Instruments selbst ein. Bekannte Universalküretten sind die Columbia-Küretten (zum Beispiel 13/14), Barnhart oder Younger-Good.
Gracey-Küretten
Gracey-Küretten sind gebietsspezifisch. Die Arbeitsfläche ist gegenüber dem unteren Schaft um etwa 70 Grad geneigt („Offset-Klinge“). Verwendet wird nur eine Schneide, die längere, tiefer liegende. Jede Nummer ist für bestimmte Zähne und Flächen ausgelegt, zum Beispiel die Gracey Kürette 11/12 für mesiale und die Gracey Kürette 13/14 für distale Flächen im Seitenzahnbereich. Eine ausführliche Übersicht aller Nummern finden Sie im Ratgeber Was sind Gracey-Küretten und welche Modelle gibt es?.
Langer-Küretten
Langer-Küretten verbinden beide Prinzipien: Sie haben eine Universalklinge mit zwei Schneiden und 90 Grad zum Schaft, aber die Schaftformen der Gracey-Küretten. Ursprünglich wurden sie als Satz aus drei Instrumenten konzipiert: Langer 1/2 für die Seitenzähne im Unterkiefer, Langer 3/4 für die Seitenzähne im Oberkiefer und Langer 5/6 für Front- und Prämolaren. Später kam unter anderem die 17/18 hinzu. Da beide Schneiden aktiv sind, erreicht eine Langer-Kürette mesiale und distale Flächen mit demselben Arbeitsende.
Vergleich: Sichelscaler, Universalkürette, Gracey-Kürette
| Merkmal | Sichelscaler | Universalkürette | Gracey-Kürette |
|---|---|---|---|
| Querschnitt | Dreieckig | Halbrund | Halbrund |
| Spitze | Spitz | Abgerundet | Abgerundet |
| Rücken | Spitz | Abgerundet | Abgerundet |
| Arbeitsfläche zum unteren Schaft | 90° | 90° | ca. 70° (geneigt) |
| Aktive Schneiden | Zwei | Zwei | Eine |
| Einsatzbereich | Supragingival | Supra- und subgingival | Supra- und subgingival, vor allem tiefe Taschen |
| Zahnflächen | Vor allem Approximalräume, Krone | Viele Flächen mit einem Instrument | Gebietsspezifisch je Nummer |
| Beispiele | H6/H7, 204S | Columbia 13/14, Barnhart, Langer | Gracey 1/2 bis 17/18 |
Welches Instrument wann?
In der Praxis ergänzen sich die Instrumente. Sichelscaler eignen sich für kräftigen supragingivalen Zahnstein, besonders an den Frontzähnen. Universalküretten decken mit wenigen Instrumenten viele Flächen ab und werden supra- wie subgingival eingesetzt. Gracey-Küretten spielen ihre Stärke in tieferen Taschen und bei der Bearbeitung der Wurzeloberfläche aus, weil ihre Form an bestimmte Zahnflächen angepasst ist. Für die Furkation und schmale, tiefe Taschen gibt es Varianten mit kürzerem Arbeitsende wie die Mini Gracey Kürette 11/12 oder mit verlängertem Schaft wie die After Five Gracey Kürette 11/12.
Wer einen Grundbestand aufbaut, kann mit einem Satz beginnen, etwa dem Gracey-Küretten-Satz mit 9 Stück oder dem Gracey-Satz mit 6 Instrumenten. Alle Küretten finden Sie in der Kategorie Meißel und Küretten, weitere Instrumente in der Kategorie Parodontologie.
Grundlagen des Nachschärfens
Scaler und Küretten werden mit der Zeit stumpf. Ein stumpfes Instrument gleitet über den Zahnstein, statt ihn zu lösen, erfordert mehr Kraft und ermüdet die Hand. Einige Grundregeln:
- Schärfe prüfen: Setzen Sie die Schneide in Arbeitswinkel an einen Teststab aus Kunststoff. Eine scharfe Schneide greift, eine stumpfe gleitet ab. Prüfen Sie Ansatz, Mitte und Spitze der Schneide.
- Winkel einhalten: Üblich ist ein Winkel von etwa 70 bis 80 Grad zwischen Arbeitsfläche und Schleifstein. So bleibt die ursprüngliche Schneidengeometrie erhalten.
- Form erhalten: Bei Küretten müssen Spitze und Rücken abgerundet bleiben. Bei Gracey-Küretten wird nur die Arbeitsschneide geschärft.
- Stein und Schmiermittel: Feine Steine erzeugen eine glattere, länger haltende Schneide. Synthetische Steine werden meist mit Wasser verwendet, natürliche Arkansas-Steine mit Öl.
- Hygiene: Schleifstein und Teststab werden nach der Verwendung gereinigt und sterilisiert.
Jedes Schärfen trägt Material ab. Ein deutlich schmaler gewordenes Arbeitsende ist bruchgefährdet und sollte ersetzt werden. Hinweise zur Reinigung und Sterilisation lesen Sie in unserem Ratgeber zur Pflege und Aufbereitung von Instrumenten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Scaler und Kürette?
Der Sichelscaler hat einen dreieckigen Querschnitt und eine spitze Spitze. Er ist für supragingivalen Zahnstein gedacht. Die Kürette hat einen halbrunden Querschnitt mit abgerundeter Spitze und kann auch subgingival in der Tasche eingesetzt werden.
Darf man mit einem Sichelscaler subgingival arbeiten?
Nein. Die spitze Spitze und der spitze Rücken können das Weichgewebe und die Wurzeloberfläche verletzen. Für subgingivale Arbeiten sind Küretten vorgesehen.
Was ist eine Universalkürette?
Eine Kürette, deren Arbeitsfläche im rechten Winkel zum unteren Schaft steht und deren beide Schneiden aktiv sind. Sie kann an vielen Zahnflächen eingesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist die Columbia 13/14.
Worin unterscheiden sich Langer- und Gracey-Küretten?
Beide haben ähnliche Schaftformen. Die Langer-Kürette hat jedoch eine Universalklinge mit zwei aktiven Schneiden, die Gracey-Kürette eine geneigte Klinge mit nur einer Arbeitsschneide.
Wie oft müssen Küretten geschärft werden?
Das hängt von der Nutzung und der Menge des Zahnsteins ab. Prüfen Sie die Schärfe regelmäßig mit einem Teststab und schärfen Sie, sobald die Schneide nicht mehr greift.