Extraktionszangen: Welche Zange für welchen Zahn?
Für jede Zahngruppe gibt es eine passende Extraktionszange. Oberkiefer und Unterkiefer, Frontzähne, Prämolaren, Molaren und Wurzelreste stellen jeweils andere Anforderungen an Maulform, Abwinkelung und Griff. Wer die Bauprinzipien kennt, erkennt eine Zahnzange auf den ersten Blick und stellt sein Instrumentarium gezielt zusammen. Dieser Ratgeber gibt eine Zahnzangen-Übersicht: wie Sie Ober- und Unterkieferzangen unterscheiden, welche Zange für welchen Zahn gedacht ist, was Wurzel-, Bajonett- und Milchzahnzangen auszeichnet und welche Figurennummern üblich sind.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Extraktionszange besteht aus Maul (Branchen), Schloss und Griffen. Die Form des Mauls entspricht dem Querschnitt der Zahnwurzel, an der die Zange angesetzt wird.
- Oberkieferzangen sind gerade oder leicht gebogen bzw. S-förmig; bei Unterkieferzangen steht das Maul stark abgewinkelt bis rechtwinklig zu den Griffen.
- Obere Molarenzangen gibt es für rechts und links: Die spitze Zacke einer Branche zeigt nach bukkal zur Wange.
- Wurzelzangen haben schmale, eng schließende Maulteile; Bajonettzangen sind zweifach abgewinkelt und erreichen den hinteren Oberkiefer.
- Milchzahnzangen sind kleiner und kürzer als Zangen für das bleibende Gebiss.
- Die Figurennummern (z. B. Fig. 13, 17, 18, 67, 79) sind gängige Katalogbezeichnungen, aber nicht bei allen Herstellern identisch belegt.
Aufbau einer Zahnzange
Jede Zahnzange hat drei Bereiche: das Maul mit zwei Branchen, das Schloss (Gelenk) und die Griffe. Die Maulteile sind innen hohl geformt und legen sich unterhalb der Krone an die Wurzel an. So wird die Kraft über die Wurzel übertragen und nicht über die bruchgefährdete Krone. Die Breite des Mauls richtet sich nach dem Wurzelquerschnitt: schmal für Frontzähne und Wurzelreste, breiter für Prämolaren, am breitesten für mehrwurzelige Molaren.
Bei der Bauart unterscheidet man das English Pattern und das American Pattern. Beim English Pattern liegt der Drehpunkt näher am Arbeitsende; das gibt mehr Hebelwirkung. Unterkieferzangen im English Pattern haben häufig ein Maul, das rechtwinklig zur Ebene der Griffe steht. Wegen dieser Form werden sie auch als Rabenschnabelzangen bezeichnet (englisch „hawksbill“).
Oberkiefer oder Unterkiefer? So erkennen Sie den Unterschied
Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die Abwinkelung zwischen Maul und Griff.
- Oberkieferzangen: Maul und Griffe liegen nahezu in einer Linie. Zangen für obere Frontzähne sind gerade. Für Prämolaren und Molaren sind sie leicht gebogen oder S-förmig, damit die Hand vor dem Mund bleibt und das Maul entlang der Zahnachse ansetzt.
- Unterkieferzangen: Das Maul ist stark nach unten abgewinkelt, oft annähernd rechtwinklig. So kann die Zange von oben auf die Unterkieferzähne aufgesetzt werden.
Eine zweite Regel betrifft die oberen Molaren. Sie haben zwei bukkale Wurzeln und eine palatinale Wurzel. Die Zangen dafür sind deshalb nicht symmetrisch: Eine Branche trägt eine spitze Zacke, die zwischen die beiden bukkalen Wurzeln greift, die andere ist rund für die palatinale Wurzel. Als Merksatz gilt „Zacke zur Backe“. Daraus folgt, dass es für die rechte und die linke Seite jeweils eine eigene Zange gibt. Untere Molaren haben eine mesiale und eine distale Wurzel; ihre Zangen tragen an beiden Branchen eine Zacke und sind für beide Seiten verwendbar.
Welche Zange für welchen Zahn?
Frontzähne
Für obere Schneide- und Eckzähne verwenden Sie gerade Zangen mit schmalem, rundem Maul, zum Beispiel Figur 1 für mittlere Schneidezähne und Eckzähne oder Figur 2 für seitliche Schneidezähne. Im Unterkiefer werden Front- und Prämolarenzangen häufig kombiniert; das Maul ist hier schmal und stark abgewinkelt.
Prämolaren
Obere Prämolaren werden mit leicht gebogenen oder S-förmigen Zangen entfernt. Eine verbreitete Universalform für obere Frontzähne, Prämolaren und Wurzeln ist die Extraktionszange Figur 7. Für untere Prämolaren ist die Extraktionszange Figur 13 ein Standard.
Molaren
Für obere Molaren gibt es Seitenpaare: Die Figur 17 ist für die rechte, die Figur 18 für die linke Seite vorgesehen. Für untere Molaren sind Zangen mit zwei Zacken üblich, etwa die Extraktionszange Figur 22. Eine Sonderform ist die Kuhhornzange (Figur 86/87, englisch „cowhorn“): Ihre spitzen, hornförmigen Branchen greifen in die Furkation unterer Molaren.
Weisheitszähne
Für obere Weisheitszähne gibt es Zangen mit Bajonettform, etwa die Extraktionszange Figur 67. Für untere Weisheitszähne ist Figur 79 eine verbreitete Bauform (Extraktionszange Figur 79).
Wurzelzangen und Bajonettzangen
Wurzelzangen fassen Wurzelreste und frakturierte Zähne. Ihre Maulteile sind schmal und schließen eng, damit sie auch kleine Fragmente sicher halten. Für obere Wurzeln ist die Figur 51 verbreitet, für untere Wurzeln die Figur 33. Wurzelzangen ergänzen die Wurzelheber, mit denen Wurzelreste zuvor gelockert werden.
Bajonettzangen sind zwischen Maul und Griff zweifach abgewinkelt. Dadurch erreichen sie den hinteren Oberkiefer, auch wenn der Patient den Mund nur eingeschränkt öffnen kann. Sie werden vor allem für obere Weisheitszähne und obere Wurzelreste eingesetzt.
Milchzahnzangen (English Pattern)
Milchzähne sind kleiner, ihre Wurzeln kürzer, und der kindliche Mund bietet weniger Platz. Milchzahnzangen, auch Kinderzahnzangen genannt, sind deshalb kleiner, mit kurzen Griffen und schmalen Maulteilen. Das Prinzip ist dasselbe wie beim bleibenden Gebiss: Es gibt eigene Formen für obere und untere Schneidezähne, Prämolaren bzw. Milchmolaren und Wurzeln. Im Shop finden Sie zum Beispiel die Extraktionszange English Pattern für untere Schneidezähne im Milchgebiss und die Extraktionszange English Pattern für untere Molaren im Milchgebiss.
Tabelle: Zahn → Zangentyp
| Zahn / Situation | Zangentyp | Typische Figur |
|---|---|---|
| Obere mittlere Schneidezähne und Eckzähne | Gerade Frontzahnzange | Fig. 1 |
| Obere seitliche Schneidezähne | Gerade, schmale Frontzahnzange | Fig. 2 |
| Obere Frontzähne, Prämolaren und Wurzeln | Leicht gebogene Universalzange | Fig. 7 |
| Obere Molaren rechts / links | S-förmige Molarenzange, Zacke bukkal | Fig. 17 / Fig. 18 |
| Obere Weisheitszähne | Bajonettzange | Fig. 67 |
| Obere Wurzelreste | Wurzelzange, schmales Maul | Fig. 51 |
| Untere Prämolaren | Abgewinkelte Prämolarenzange | Fig. 13 |
| Untere Molaren | Molarenzange mit zwei Zacken | Fig. 22 |
| Untere Molaren (Furkation) | Kuhhornzange | Fig. 86 / 87 |
| Untere Weisheitszähne | Weisheitszahnzange | Fig. 79 |
| Untere Wurzelreste | Wurzelzange, rechtwinklig | Fig. 33 |
| Milchzähne | Milchzahnzange (klein) | herstellerabhängig |
Die Figurennummern stammen aus historisch gewachsenen Katalogsystemen. Bei einzelnen Nummern weichen Hersteller voneinander ab. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf immer die Indikationsangabe in der Produktbeschreibung. Alle Modelle finden Sie in unserer Kategorie Zahnzangen; ein Komplettsortiment bietet der Extraktionszangen-Satz English Pattern mit 10 Stück.
Pflege von Extraktionszangen
Zahnzangen werden nach jedem Einsatz gereinigt, desinfiziert, geprüft und sterilisiert. Achten Sie besonders auf das Schloss: Hier sammeln sich Rückstände, und es sollte nach der Reinigung leichtgängig sein. Prüfen Sie außerdem die Maulteile auf Verbiegungen und Abnutzung, denn nur ein passgenau schließendes Maul greift sicher. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Pflege und Aufbereitung von Instrumenten.
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Extraktionszange Zahnzange Figur 7
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Extraktionszange Zahnzange Figur 18
Extraktionszange Zahnzange Figur 22
Extraktionszange Zahnzange Figur 67
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Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob eine Zahnzange für den Oberkiefer oder den Unterkiefer ist?
An der Abwinkelung: Bei Oberkieferzangen liegen Maul und Griffe annähernd in einer Linie oder sind leicht S-förmig gebogen. Bei Unterkieferzangen ist das Maul stark abgewinkelt, häufig fast rechtwinklig zu den Griffen.
Warum gibt es für obere Molaren eine rechte und eine linke Zange?
Obere Molaren haben zwei bukkale Wurzeln und eine palatinale Wurzel. Die bukkale Branche trägt eine Zacke, die zwischen die bukkalen Wurzeln greift. Da diese Branche immer zur Wange zeigen muss, braucht jede Seite eine eigene Zange.
Was ist eine Bajonettzange?
Eine Zange, die zwischen Maul und Griff zweifach abgewinkelt ist. Sie erreicht Zähne und Wurzeln im hinteren Oberkiefer, vor allem obere Weisheitszähne, auch bei eingeschränkter Mundöffnung.
Was bedeutet English Pattern bei Zahnzangen?
English Pattern bezeichnet eine Bauart, bei der der Drehpunkt näher am Arbeitsende liegt. Das verbessert die Hebelwirkung. Unterkieferzangen dieser Bauart haben oft ein rechtwinklig stehendes Maul.
Welche Zange nimmt man für Wurzelreste?
Wurzelzangen mit schmalen, eng schließenden Maulteilen, im Oberkiefer häufig in Bajonettform, im Unterkiefer stark abgewinkelt. Oft wird die Wurzel vorher mit einem Wurzelheber gelockert.
Was ist der Unterschied zwischen Milchzahnzangen und normalen Extraktionszangen?
Milchzahnzangen sind kleiner, haben kürzere Griffe und schmalere Maulteile. Sie sind an die kleineren Zähne und die geringere Mundöffnung von Kindern angepasst.