Wurzelheber: Arten, Modelle und Einsatz in der Zahnmedizin

Wurzelheber sind Hebelinstrumente, mit denen Zähne und Wurzelreste vor oder anstelle der Zange gelockert und aus der Alveole gelöst werden. Sie werden zwischen Wurzel und Alveolarknochen angesetzt, dehnen das Zahnfach und durchtrennen die Fasern des Zahnhalteapparats. Je nach Blattform, Abwinkelung und Griff eignet sich ein Hebel für ganze Zähne, für einzelne Wurzeln oder für feine Wurzelspitzen. Dieser Ratgeber stellt die gebräuchlichen Wurzelheber nach Bauart vor und zeigt, welches Modell für welche Situation gedacht ist.

Bein Wurzelheber Satz mit 6 Stück
Im Bild: Bein Wurzelheber Satz mit 6 Stück

Das Wichtigste in Kürze

  • Gerade Wurzelheber (Bein, Coupland, Flohr gerade) dienen vor allem zum Luxieren und Lockern, meist im Oberkiefer und im Frontzahnbereich.
  • Gebogene Hebelpaare (Flohr, Winter, Cryer) gibt es für rechts und links. Sie erreichen Wurzeln im Seitenzahnbereich und im Unterkiefer.
  • Feine und apikale Wurzelheber (Heidbrink, Apexo, apikale Hebel) mit sehr schmalem Blatt holen abgebrochene Wurzelspitzen aus der Tiefe der Alveole.
  • Wurzelheber arbeiten mit Hebelkraft. Abgestützt wird am Knochen, nie am Nachbarzahn.

Gerade Wurzelheber

Gerade Hebel haben ein in einer Linie mit dem Griff liegendes Blatt mit Hohlkehle. Sie werden parallel zur Zahnachse in den Parodontalspalt geschoben und durch Drehen und Hebeln eingesetzt, um den Zahn zu lockern, bevor die Zange angesetzt wird.

Gebogene Wurzelheber (rechts und links)

Gebogene Hebel sind am Arbeitsende abgewinkelt und werden paarweise für die rechte und die linke Seite angeboten. Mit ihnen erreichen Sie Wurzeln im Seitenzahnbereich und im Unterkiefer, an die ein gerader Hebel nicht herankommt.

Feine Hebel für Wurzelreste und Wurzelspitzen

Bricht eine Wurzelspitze ab, braucht es ein besonders schmales Instrument, das tief in die Alveole reicht, ohne den umliegenden Knochen zu verletzen.

Wurzelheber, Luxator oder Periotom?

Wurzelheber arbeiten mit Hebelkraft. Luxatoren und Periotome haben dagegen sehr dünne, scharfe Blätter, die vor allem die Fasern des Zahnhalteapparats durchtrennen und den Knochen schonen. In der Praxis werden alle drei Instrumente oft nacheinander eingesetzt. Die Unterschiede erklärt der Ratgeber Luxator, Periotom oder Wurzelheber?.

Sicher arbeiten mit Wurzelhebern

  • Den Hebel immer am Alveolarknochen abstützen, nie am Nachbarzahn.
  • Mit der freien Hand den Kiefer stützen und die Finger so legen, dass ein Abrutschen abgefangen wird.
  • Kontrolliert und mit wenig Kraft arbeiten. Das Lockern geht vor dem Herausheben.
  • Blätter nach jeder Aufbereitung auf Verbiegungen und stumpfe Kanten prüfen.

Für die Extraktion gehören neben den Hebeln die Lokalanästhesie mit einer aspirierenden Dentalspritze, bei längeren Eingriffen ein Mundsperrer (Mundknebel) und die passende Zange auf das Tray. Welche Zange für welchen Zahn gedacht ist, zeigt der Ratgeber Extraktionszangen. Komplett zusammengestellte Hebelsätze finden Sie unter Instrumentensets, alle Einzelhebel in der Kategorie Wurzelheber, Elevatoren und Exkavatoren und das gesamte Sortiment unter Dentalinstrumente.

Häufige Fragen

Welcher Wurzelheber eignet sich für schwer zugängliche Wurzeln?

Gebogene Hebelpaare nach Flohr, Winter oder Cryer. Sie sind am Arbeitsende abgewinkelt und erreichen Wurzeln im Seitenzahnbereich und im Unterkiefer.

Was ist der Unterschied zwischen Bein- und Flohr-Hebel?

Der Beinsche Hebel ist gerade und dient vor allem zum Luxieren. Flohr-Hebel gibt es gerade, vor allem aber als gebogenes Paar für rechts und links.

Womit entfernt man eine abgebrochene Wurzelspitze?

Mit besonders schmalen Hebeln wie den Heidbrink-Hebeln, dem Apexo-Wurzelheber nach Schmeckebier oder apikalen Wurzelhebern.

Darf man sich mit dem Wurzelheber am Nachbarzahn abstützen?

Nein. Abgestützt wird immer am Alveolarknochen. Sonst kann der Nachbarzahn gelockert oder beschädigt werden.