Raspatorien und Periostelevatoren: Molt, Prichard, Buser und P24G im Vergleich
Fast jeder oralchirurgische Eingriff beginnt mit einem Schnitt und einem Lappen. Ob Osteotomie, Wurzelspitzenresektion, Implantation oder Augmentation: Die Schleimhaut wird zusammen mit der Knochenhaut (Periost) vom Knochen gelöst, damit der Operationsbereich frei liegt. Dafür gibt es Raspatorien, im englischen Sprachraum Periosteal Elevators genannt. Ein gut abgelöster, unverletzter Lappen heilt besser und lässt sich sauber zurückverlagern. Dieser Ratgeber stellt die gängigen Raspatorien vor, darunter Molt, Prichard, Buser und P24G, und erklärt, wie sie richtig eingesetzt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Raspatorium und Periostelevator bezeichnen dasselbe Instrument: Es löst den Mukoperiostlappen vom Knochen.
- Die meisten dentalen Raspatorien sind doppelendig mit zwei unterschiedlich breiten oder geformten Blättern.
- Das Molt Nr. 9 hat ein spitzeres und ein breites, abgerundetes Ende und gilt als Standardinstrument.
- Das Prichard hat ein großes und ein kleines Blatt und eignet sich auch zum Abhalten des Lappens.
- Das Buser hat ein schmales Blatt und wird in der Implantologie am schmalen Kieferkamm verwendet.
- Das Blatt wird stets mit Knochenkontakt geführt, damit das Periost nicht einreißt.
Was macht ein Raspatorium?
Das Periost haftet fest am Knochen. Wird ein Lappen nur in der Schleimhaut gebildet, bleibt die Knochenhaut am Knochen zurück, und der Lappen wird dünn und blutet stärker. Beim Mukoperiostlappen (Vollschichtlappen) werden Schleimhaut und Periost gemeinsam abgelöst. Das Raspatorium wird dazu unter dem Periost angesetzt und mit kurzen, schiebenden Bewegungen am Knochen entlanggeführt. Die Kante ist so geformt, dass sie zwischen Periost und Knochen gleitet, ohne den Lappen zu durchstoßen.
Neben dem Ablösen dienen viele Raspatorien auch dem Abhalten: Ist der Lappen gelöst, hält das breite Blatt ihn zurück und schützt ihn vor rotierenden Instrumenten.
Die wichtigsten Raspatorien im Überblick
Raspatorium nach Molt
Das Molt-Raspatorium Nr. 9 ist das klassische Instrument für die Oralchirurgie. Es ist doppelendig: Das schmalere, spitzer zulaufende Ende eignet sich, um die Papillen und den Sulkusbereich zu lösen und den Lappen anzuheben. Mit dem breiten, abgerundeten Ende wird der Lappen anschließend flächig abgelöst und abgehalten. Das Molt 9 wird bei Extraktionen, Osteotomien und Implantationen eingesetzt. Im Shop: Raspatorium nach Molt Nr. 9.
Raspatorium nach Prichard
Das Prichard-Raspatorium hat ein großes, breites und ein kleineres Blatt. Es wird vor allem in der Parodontalchirurgie, bei Lappenoperationen und zur Freilegung von Augmentationsbereichen verwendet. Das breite Blatt hält den Lappen gut ab. Im Shop finden Sie das Raspatorium Prichard PR3.
Raspatorium nach Buser
Das Buser-Raspatorium hat ein besonders schmales Blatt mit einem runden und einem spitzen Ende. Es ist eine in der Implantologie etablierte Bauform und eignet sich für die Lappenpräparation am schmalen Kieferkamm sowie in engen Bereichen. Im Shop: Raspatorium nach Buser.
Raspatorium P24G
Das P24G ist ein doppelendiges Raspatorium mit zwei Blattbreiten. Es wird ebenfalls zum Ablösen und Abhalten von Mukoperiostlappen eingesetzt und ist eine Alternative zum Molt 9. Im Shop: Raspatorium P24G für das Periost.
Weitere Bauformen
Daneben gibt es zahlreiche weitere Formen. Das Freer-Raspatorium hat zwei schmale, flache Blätter und wird auch außerhalb der Zahnmedizin verwendet, etwa in der HNO-Chirurgie. Das Williger-Raspatorium ist im deutschsprachigen Raum in der Oralchirurgie verbreitet. In der allgemeinen Chirurgie und Orthopädie kommen deutlich größere Raspatorien zum Einsatz, die mit der dentalen Anwendung wenig gemein haben.
Vergleich der Raspatorien
| Raspatorium | Blattform | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Molt Nr. 9 | Doppelendig, ein spitzeres und ein breites, abgerundetes Ende | Standard bei Extraktion, Osteotomie, Implantation |
| Prichard | Doppelendig, großes und kleines Blatt | Parodontalchirurgie, Lappen abhalten |
| Buser | Schmales Blatt, rundes und spitzes Ende | Implantologie, schmaler Kieferkamm |
| P24G | Doppelendig, zwei Blattbreiten | Lappen ablösen und abhalten |
| Freer | Zwei schmale, flache Blätter | Feine Präparation, auch HNO |
So wird ein Raspatorium richtig eingesetzt
- Schnitt bis auf den Knochen: Nur wenn der Schnitt das Periost vollständig durchtrennt, lässt sich der Lappen sauber ablösen. Mehr zu Klingen und Griffen lesen Sie im Ratgeber Skalpell-Größen.
- Ansetzen an der Papille: Mit dem schmaleren Ende wird der Lappen an der Papille oder am Schnittrand angehoben.
- Schiebend arbeiten: Das Blatt bleibt in Knochenkontakt und wird mit kurzen, kontrollierten Schüben unter das Periost geführt. Hebelnde oder reißende Bewegungen vermeiden.
- Flächig ablösen: Mit dem breiten Ende wird der Lappen bis zur gewünschten Ausdehnung gelöst.
- Abhalten: Das Raspatorium oder ein Wundhaken hält den Lappen während des Eingriffs zurück. Passende Wundhaken stellt der Ratgeber Wundhaken und Retraktoren vor.
Pflege und Kontrolle
Die Kante des Raspatoriums muss glatt und frei von Scharten sein. Eine beschädigte Kante reißt das Periost ein, statt es sauber zu lösen. Prüfen Sie die Arbeitsenden nach jeder Aufbereitung. Kleinere Unebenheiten lassen sich mit einem feinen Schleifstein glätten, wobei die ursprüngliche Form erhalten bleiben muss. Verbogene Blätter sollten ersetzt werden. Hinweise zur Reinigung und Sterilisation finden Sie im Ratgeber Pflege und Aufbereitung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Raspatorium und Periostelevator?
Es gibt keinen. Beide Begriffe bezeichnen das Instrument, mit dem das Periost vom Knochen gelöst wird. Im englischen Sprachraum heißt es Periosteal Elevator.
Welches Raspatorium für die Zahnextraktion?
Das Molt Nr. 9 ist das am häufigsten verwendete Raspatorium für Extraktionen und Osteotomien. Ein schmales Raspatorium wie das Buser ergänzt es in engen Bereichen.
Wozu dient das breite Ende?
Mit dem breiten Ende wird der Lappen flächig abgelöst und während des Eingriffs abgehalten.
Kann man ein Raspatorium schärfen?
Ja, Raspatorien können nachgeschliffen werden. Dabei muss die Form der Kante erhalten bleiben, damit das Instrument weiterhin zwischen Periost und Knochen gleitet.
Fazit
Ein sauber abgelöster Mukoperiostlappen ist die Grundlage für jeden oralchirurgischen Eingriff. Mit einem Molt 9 als Standard und einem schmalen Raspatorium wie dem Buser für enge Bereiche sind Sie für die meisten Situationen gut ausgestattet. Alle Raspatorien finden Sie in der Kategorie Elevatoren, Exkavatoren und Wurzelheber sowie unter Oralchirurgie. Welche weiteren Instrumente in ein chirurgisches Grundset gehören, zeigt unsere Checkliste für die Oralchirurgie.