Sinuslift-Instrumente: Sinus-Elevatoren, Membran-Elevatoren und Kits im Überblick
Im Seitenzahnbereich des Oberkiefers fehlt nach Zahnverlust oft die Knochenhöhe für ein Implantat. Die Kieferhöhle dehnt sich aus, der Kieferkamm baut ab. Mit der Sinusbodenelevation, kurz Sinuslift, wird die Schneidersche Membran vom Boden der Kieferhöhle gelöst und angehoben, sodass darunter Raum für Knochenersatzmaterial entsteht. Der Eingriff verlangt feinfühlige Instrumente, denn die Membran ist dünn und reißt leicht. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die Sinuslift-Instrumente, erklärt den Unterschied zwischen Sinus-Elevator und Membran-Elevator und zeigt, welche Instrumente beim lateralen und beim krestalen Zugang benötigt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim lateralen Sinuslift wird ein Knochenfenster in der seitlichen Kieferhöhlenwand angelegt. Durch dieses Fenster wird die Membran mit Sinus-Elevatoren abgelöst.
- Beim krestalen (transalveolären) Sinuslift wird der Kieferhöhlenboden über das Implantatbett angehoben, klassisch mit Osteotomen nach Summers.
- Sinus-Elevatoren (Sinusküretten) haben stumpf gerundete, unterschiedlich gewinkelte Arbeitsenden für Boden und Wände der Kieferhöhle.
- Membran-Elevatoren haben ein breiteres, dünn auslaufendes Blatt und heben die Membran flächig an.
- Die wichtigste Komplikation ist die Perforation der Schneiderschen Membran. Scharfe Kanten haben an der Membran nichts zu suchen.
Lateral oder krestal?
Der laterale Zugang (auch externer Sinuslift oder Fenstertechnik) wurde Ende der 1970er-Jahre von Tatum eingeführt und 1980 von Boyne und James veröffentlicht. Er gilt als die am häufigsten beschriebene Technik und ist vor allem bei geringer Restknochenhöhe angezeigt. Der krestale Zugang mit Osteotomen geht auf Summers (1994) zurück. Er ist weniger invasiv, setzt aber eine gewisse Restknochenhöhe voraus, da der Kieferhöhlenboden über das Implantatbett angehoben wird. Wie viel Restknochen für welches Verfahren und für eine gleichzeitige Implantation nötig ist, wird je nach Fall und Literatur unterschiedlich bewertet. Die Entscheidung trifft der Behandler anhand der dreidimensionalen Bildgebung.
Instrumente für den lateralen Sinuslift
1. Inzision und Lappenbildung
Nach krestaler Schnittführung, meist mit Entlastungsschnitt, wird ein Mukoperiostlappen bis auf den Knochen abgelöst. Benötigt werden ein Skalpell, zum Beispiel ein Skalpellgriff Nr. 3 mit Skalierung, und ein Raspatorium. Welche Raspatorien es gibt, erklärt unser Ratgeber Raspatorien und Periostelevatoren. Wundhaken halten den Lappen während des Eingriffs zurück.
2. Präparation des Knochenfensters
Das Fenster in der bukkalen Kieferhöhlenwand wird mit einem Kugelbohrer, einem Diamantinstrument oder piezochirurgisch angelegt. Ziel ist es, den Knochen schichtweise abzutragen, bis die Membran bläulich durchschimmert, ohne sie dabei zu verletzen. Dafür gibt es spezielle Bohrer wie den Sinuslift-Bohrer für den seitlichen Zugang.
3. Ablösen der Membran mit Sinus-Elevatoren
Ist das Fenster angelegt, beginnt der heikelste Schritt. Mit Sinus-Elevatoren wird die Schneidersche Membran vom Knochen gelöst, zunächst am Fensterrand, dann am Boden und schließlich an der medialen Wand. Die Arbeitsenden sind stumpf gerundet und unterschiedlich gewinkelt, damit alle Bereiche der Kieferhöhle erreicht werden, ohne die Membran zu durchstoßen. Das Instrument bleibt dabei stets in Kontakt mit dem Knochen. Im Shop finden Sie eine Reihe nummerierter Sinus-Elevatoren, zum Beispiel Sinus-Elevator 1, Sinus Elevator 2 oder Kieferhöhlen-Elevator 3.
4. Anheben mit Membran-Elevatoren
Membran-Elevatoren haben ein breiteres, dünn auslaufendes Blatt. Sie verteilen den Druck auf eine größere Fläche und heben die bereits gelöste Membran flächig an, statt sie punktuell zu belasten. Beispiele sind der Membran-Sinus-Elevator 1 und der Membran-Elevator 2.
5. Augmentation und Verschluss
In den entstandenen Raum wird Knochen oder Knochenersatzmaterial eingebracht und vorsichtig verdichtet, zum Beispiel mit einem Knochentransplantat-Packer. Anschließend wird das Fenster in der Regel mit einer Membran abgedeckt und der Lappen vernäht. Für die Naht benötigen Sie einen Nadelhalter, eine Pinzette und eine Fadenschere.
Instrumente für den krestalen Sinuslift
Beim krestalen Zugang wird das Implantatbett bis kurz unter den Kieferhöhlenboden aufbereitet. Anschließend wird der verbliebene Knochen mit Osteotomen schrittweise nach kranial verschoben, wodurch die Membran mitsamt Knochen angehoben wird. Osteotome sind zylindrische oder konische Stößel mit abgestuften Durchmessern, die mit einem Hammer leicht angeschlagen werden. Alternativ kommen hydraulische, ballon- oder piezochirurgische Verfahren zum Einsatz. Sinus-Elevatoren und Membran-Elevatoren werden beim krestalen Zugang meist nicht oder nur ergänzend benötigt.
Übersicht: Sinuslift-Instrumente
| Instrument | Arbeitsende | Aufgabe | Zugang |
|---|---|---|---|
| Skalpell und Raspatorium | Klinge, Blatt | Schnitt, Lappen bis auf den Knochen ablösen | Lateral und krestal |
| Sinuslift-Bohrer, Piezo | Kugel, Diamant, Ultraschallspitze | Knochenfenster präparieren | Lateral |
| Sinus-Elevator | Stumpf gerundet, gewinkelt | Membran vom Knochen lösen | Lateral |
| Membran-Elevator | Breit, dünn auslaufend | Membran flächig anheben | Lateral |
| Osteotom | Zylindrischer oder konischer Stößel | Kieferhöhlenboden anheben | Krestal |
| Knochen-Packer | Stopfer | Augmentat einbringen und verdichten | Lateral und krestal |
| Nadelhalter, Pinzette, Schere | – | Wundverschluss | Lateral und krestal |
Sets oder Einzelinstrumente?
Wer den lateralen Sinuslift regelmäßig durchführt, profitiert von einem abgestimmten Set. Es enthält aufeinander abgestimmte Instrumente für den Ablauf und lässt sich geordnet aufbereiten. Im Shop erhalten Sie das Sinuslift-Kit für seitlichen Zugang und das Kit für lateralen Sinuslift. Einzelne Elevatoren sind sinnvoll, um ein vorhandenes Set zu ergänzen oder ein abgenutztes Instrument zu ersetzen.
Pflege und Kontrolle
Die Arbeitsenden von Sinus- und Membran-Elevatoren müssen glatt und gratfrei sein. Prüfen Sie nach jeder Aufbereitung unter guter Beleuchtung, ob Kanten beschädigt oder verbogen sind. Schon kleine Grate können die Membran verletzen. Reinigung, Desinfektion und Dampfsterilisation erfolgen nach der Aufbereitungsanleitung des Herstellers. Tipps zur Lagerung in Kassetten finden Sie im Ratgeber Instrumentenkassetten und Siebe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sinus-Elevator und Membran-Elevator?
Der Sinus-Elevator hat ein stumpf gerundetes, gewinkeltes Arbeitsende und löst die Membran vom Knochen. Der Membran-Elevator hat ein breiteres, dünn auslaufendes Blatt und hebt die bereits gelöste Membran flächig an.
Welche Instrumente braucht man für einen krestalen Sinuslift?
Neben dem Implantatbohrersatz vor allem Osteotome in abgestuften Durchmessern und einen chirurgischen Hammer. Alternativ werden hydraulische oder piezochirurgische Systeme verwendet.
Wie lässt sich eine Membranperforation vermeiden?
Durch eine sorgfältige Fensterpräparation, stumpfe und gratfreie Instrumente und ein Arbeiten mit ständigem Knochenkontakt. Die Membran wird schrittweise vom Fensterrand aus gelöst.
Sind Sinuslift-Instrumente autoklavierbar?
Instrumente aus chirurgischem Edelstahl werden nach Reinigung und Desinfektion dampfsterilisiert. Beachten Sie die Angaben in der Aufbereitungsanleitung.
Fazit
Für den Sinuslift kommt es auf wenige, aber präzise Instrumente an: ein Raspatorium für den Lappen, einen Bohrer oder Piezo für das Fenster, Sinus-Elevatoren zum Lösen und Membran-Elevatoren zum Anheben der Schneiderschen Membran. Alle Instrumente finden Sie in der Kategorie Implantologie, weitere chirurgische Instrumente unter Oralchirurgie.