Zahnsonden: Arten und Einsatz in der Diagnostik
Die zahnärztliche Sonde (englisch „explorer“) gehört zur Grundausstattung jeder Befundaufnahme. Mit ihrer feinen Spitze ertasten Sie Restaurationsränder, Zahnstein und Unregelmäßigkeiten der Zahnoberfläche. Sonden gibt es in vielen Formen, die sich in Krümmung, Schaftlänge und Spitze unterscheiden. Dieser Ratgeber erklärt die gängigen Sondentypen – von der Häkchensonde Nr. 23 bis zur Endo-Sonde DG 16 –, ihre Einsatzbereiche in der Diagnostik, die aktuelle Empfehlung zur Kariesdiagnostik sowie Material und Pflege. Wie Parodontalsonden mit Millimeterskala funktionieren, lesen Sie im Ratgeber Parodontalsonden im Vergleich.

Das Wichtigste in Kürze
- Zahnsonden (Explorer) sind spitze Tastinstrumente ohne Skala. Parodontalsonden sind stumpf und tragen eine Millimeterskala.
- Die Sonde Nr. 23 („Shepherd's Hook“, Häkchensonde) ist die verbreitetste Sondenform.
- Für Approximalflächen und subgingivalen Zahnstein gibt es Formen wie die Nr. 17, Pigtail-/Cowhorn-Sonden oder die 11/12.
- Die DG 16 ist die Standardsonde in der Endodontie zum Auffinden der Wurzelkanaleingänge.
- Fissuren und demineralisierte Schmelzflächen werden nicht mit Druck sondiert: Eine spitze Sonde kann geschwächten Schmelz irreversibel schädigen.
- Sonden werden mit leichtem Griff geführt; getastet wird mit den vorderen 1–2 mm der Spitze.
Was ist eine Zahnsonde?
Eine Zahnsonde besteht aus Griff, Schaft und einem schlanken Arbeitsende mit feiner Spitze. Der dünne Arbeitsteil überträgt feinste Vibrationen auf die Finger. So spüren Sie, ob eine Oberfläche glatt ist oder ob ein Rand, eine Stufe oder eine Auflagerung vorliegt. Diese taktile Wahrnehmung funktioniert nur mit leichtem Griff: Wer die Sonde fest hält, dämpft die Vibrationen und fühlt weniger.
Von der Parodontalsonde unterscheidet sich die Zahnsonde deutlich. Die Parodontalsonde hat eine stumpfe Spitze und eine Skala; sie misst Sondierungstiefen. Die Zahnsonde ist spitz, hat keine Skala und dient zum Ertasten. Viele Instrumente kombinieren beides an einem Griff.
Sonden gibt es einseitig (in Katalogen oft „SE“, single-ended) und doppelendig („DE“, double-ended). Doppelendige Sonden tragen zwei gleiche Arbeitsenden in Spiegelform, zwei unterschiedliche Sondenformen oder eine Sonde und eine Parodontalsonde.
Die wichtigsten Sondentypen
Sonde Nr. 23 (Häkchensonde, „Shepherd's Hook“)
Die Sonde Nr. 23 ist die verbreitetste Sondenform. Ihr Arbeitsende ist hakenförmig gebogen, ähnlich einem Hirtenstab. Hersteller beschreiben sie als typische Sonde für die Kariesdiagnostik – mit den unten beschriebenen Einschränkungen. Heute wird sie vor allem zur Untersuchung von Zahnoberflächen und zur Kontrolle von Füllungs- und Kronenrändern eingesetzt. Im Shop finden Sie die Sonde Nr. 23 einseitig.
Sonde Nr. 17
Die Sonde Nr. 17 erreicht gut die Approximalflächen und eignet sich zum Ertasten von subgingivalem Zahnstein. In gängigen Herstellerkatalogen wird sie als doppelendige Sonde Nr. 5 mit der Häkchensonde Nr. 23 kombiniert, zum Beispiel bei der Doppelsonde Nr. 5.
Sonde Nr. 6, Nr. 8A und Doppelsonde 23/6
Die Sonde Nr. 6 ist eine weitere verbreitete Grundform. Sie wird einzeln als Sonde Nr. 6 einseitig oder zusammen mit der Häkchensonde als Doppelsonde 23/6 angeboten. Mit der Doppelsonde haben Sie bei der Befundaufnahme zwei Sondenformen zur Hand, ohne das Instrument zu wechseln. Eine weitere einseitige Variante ist die Sonde Nr. 8A.
Pigtail- und Cowhorn-Sonden
Pigtail- und Cowhorn-Sonden (zum Beispiel Nr. 2 bzw. 3CH) haben paarige, stark gebogene Arbeitsenden. Die Krümmung erleichtert den Zugang zu den Approximalflächen. Sie werden vor allem im gesunden, flachen Sulkus eingesetzt.
Sonde 11/12 und Nr. 3A
Die Sonde 11/12 ist nach dem Vorbild der Gracey-Küretten gebietsspezifisch gestaltet. Mit ihrem langen, mehrfach abgewinkelten Schaft erreicht sie auch tiefe Taschen im Seitenzahnbereich und dient zum Ertasten von Konkrementen auf der Wurzeloberfläche. Die Nr. 3A ist eine lange, leicht gebogene Sonde für schwierige anatomische Situationen.
Endo-Sonde DG 16
Die DG 16 ist die Standardsonde in der Endodontie. Sie ist doppelendig, mit zwei langen, schlanken und spitzen Arbeitsenden, die unterschiedlich abgewinkelt sind. Damit reicht sie in die Zugangskavitäten von Ober- und Unterkiefermolaren und ertastet die Kanaleingänge am Pulpakammerboden. Im Shop: Endo-Sonde DG 16 doppelendig.
Kombinationsinstrumente mit Parodontalsonde
Kombinationsinstrumente tragen an einem Ende eine Sonde, meist die Nr. 23, und am anderen eine Parodontalsonde. So lassen sich Ränder ertasten und Sondierungstiefen messen, ohne das Instrument zu wechseln. Im Shop finden Sie das Kombinationsinstrument Sonde 23 / Parodontalsonde PCP 12, das Kombinationsinstrument Sonde 23 / Parodontalsonde UNC 15 und die Sonde 23 / PCP-11.5-B. Für Furkationen gibt es eigene gebogene Sonden wie die Furkationssonde Nabers PQ2N.
Einsatz in der Diagnostik
Kariesdiagnostik: kein Druck in Fissuren
Früher galt das „Hängenbleiben“ der Sonde in einer Fissur als Zeichen für Karies. Diese Methode wird heute nicht mehr empfohlen. Die spitze Sonde kann demineralisierten Schmelz, der sich noch remineralisieren könnte, irreversibel schädigen und so eine Kavitation erst auslösen. Karies wird daher vor allem visuell auf der gereinigten und getrockneten Zahnoberfläche beurteilt, ergänzt durch Röntgenbilder. Wenn getastet wird, dann mit leichtem Druck oder mit einer stumpfen Sonde mit Kugelende, wie sie auch visuelle Klassifikationssysteme wie ICDAS vorsehen.
Füllungs- und Kronenränder
An Restaurationsrändern ist die Sonde weiterhin ein wichtiges Hilfsmittel. Führen Sie die Spitze mit leichtem Druck über den Übergang zwischen Zahn und Restauration. So lassen sich Überschüsse, Stufen und Randspalten ertasten. Die Sonde Nr. 23 und die Doppelsonde 23/6 sind dafür gebräuchlich.
Zahnstein- und Konkrementdiagnostik
Vor und nach der Zahnsteinentfernung prüfen Sie mit der Sonde, ob die Wurzeloberfläche glatt ist. Für die Approximalflächen und tiefere Taschen eignen sich Formen wie die Nr. 17, die 11/12 oder die Nr. 3A. Halten Sie die Sonde so locker, dass sie sich bei einem leichten Antippen bewegen würde, und legen Sie nur die vorderen 1–2 mm der Spitze an. Welche Instrumente anschließend Zahnstein und Konkremente entfernen, lesen Sie im Ratgeber Scaler oder Kürette?.
Endodontie
In der Endodontie dient die DG 16 dazu, die Kanaleingänge am Pulpakammerboden aufzufinden und vermutete Eingänge zu bestätigen.
Übersicht: Sondentypen und Einsatz
| Sondentyp | Form | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Nr. 23 (Häkchensonde) | Hakenförmig gebogen | Zahnoberflächen, Füllungs- und Kronenränder |
| Nr. 17 | Abgewinkeltes Arbeitsende | Approximalflächen, subgingivaler Zahnstein |
| Nr. 5 | Doppelendig, in gängigen Katalogen 17/23 | Kombination aus Approximal- und Flächendiagnostik |
| Nr. 6 / 23/6 | Einseitig bzw. doppelendig mit Nr. 23 | Befundaufnahme, Restaurationsränder |
| Pigtail / Cowhorn (z. B. Nr. 2, 3CH) | Paarig, stark gebogen | Approximalflächen, flache Sulci |
| 11/12 | Gebietsspezifisch, langer abgewinkelter Schaft | Tiefe Taschen, Konkremente im Seitenzahnbereich |
| Nr. 3A | Lang, leicht gebogen | Wurzeloberflächen bei schwieriger Anatomie |
| DG 16 | Doppelendig, lang, schlank, spitz | Endodontie: Kanaleingänge auffinden |
| Sonde 23 + Parodontalsonde | Doppelendig, spitz + stumpf mit Skala | Ränder ertasten und Sondierungstiefen messen |
Die Nummern stammen aus gewachsenen Katalogsystemen und sind nicht bei allen Herstellern identisch belegt. Prüfen Sie deshalb immer die Abbildung und die Angaben in der Produktbeschreibung. Alle Modelle finden Sie in der Kategorie Sonden und Dilatatoren, die Endo-Sonde zusätzlich in der Kategorie Endodontie.
Material und Pflege
Zahnsonden bestehen in der Regel aus rostfreiem Edelstahl und werden nach jedem Einsatz gereinigt, desinfiziert, geprüft und sterilisiert, üblicherweise mit Dampf bei 134 °C. Kontrollieren Sie die Spitze dabei mit einer Lupe: Eine verbogene oder abgenutzte Spitze überträgt weniger Information und sollte ersetzt werden. Schützen Sie die feinen Spitzen bei Lagerung und Sterilisation, zum Beispiel in Instrumentenkassetten. Ausführliche Hinweise finden Sie im Ratgeber Pflege und Aufbereitung von Instrumenten.
Sie suchen Informationen zu Extraktionszangen? Lesen Sie den Ratgeber Extraktionszangen: Welche Zange für welchen Zahn?.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Zahnsonde und Parodontalsonde?
Die Zahnsonde ist spitz und hat keine Skala; mit ihr werden Oberflächen, Ränder und Zahnstein ertastet. Die Parodontalsonde ist stumpf und trägt eine Millimeterskala; mit ihr werden Sondierungstiefen gemessen.
Wofür wird die Sonde Nr. 23 verwendet?
Die Häkchensonde Nr. 23 ist die verbreitetste Sonde. Sie dient vor allem zur Untersuchung von Zahnoberflächen und zur Kontrolle von Füllungs- und Kronenrändern. In Fissuren wird sie nicht mit Druck eingesetzt.
Darf man Fissuren mit der Sonde auf Karies prüfen?
Nicht mit Druck. Eine spitze Sonde kann demineralisierten Schmelz beschädigen. Empfohlen wird die visuelle Beurteilung der gereinigten, getrockneten Zahnoberfläche, gegebenenfalls ergänzt durch eine stumpfe Sonde mit Kugelende und Röntgenbilder.
Wofür braucht man eine DG 16?
Die DG 16 ist eine doppelendige Endo-Sonde. Mit ihren langen, spitzen Arbeitsenden werden die Wurzelkanaleingänge am Pulpakammerboden aufgefunden.
Was bedeuten SE und DE bei Sonden?
SE steht für „single-ended“, also einseitig mit einem Arbeitsende. DE steht für „double-ended“, also doppelendig mit zwei Arbeitsenden.
Welche Sonde eignet sich zum Ertasten von Zahnstein?
Für Approximalflächen und subgingivalen Zahnstein werden häufig die Nr. 17, die 11/12 oder Pigtail- und Cowhorn-Sonden verwendet. Wichtig ist ein leichter Griff, damit die feinen Vibrationen spürbar bleiben.